
Die folgende Geschichte soll allen Mut machen, die mit der schrecklichen Kaninchenkrankheit Myxomatose in Berührung gekommen sind.
Snoopy
kam mit ungefähr 7 Wochen zu mir und hatte schon am ersten Tag ein leicht
geschwollenes Auge. Da hieß es, er hätte eine leichte Entzündung.
Ansonsten war der Kleine ja auch top fit und zuckersüß.Er
war gleich total zutraulich und hat meine Hand abgeleckt.
Am nächsten Tag war die Schwellung am Auge deutlich vergrößert
und auch das andere Auge fing an anzuschwellen. Ich bin dann zu einer Tierärztin
mit dem Kleinen und die stellte fest, dass auch die Nase leicht verkrustet
war. Ihre Diagnose: Kaninchenseuche. Sie meinte, der Kleine hätte keine
Chance und sie könne da auch nix machen. So hat sie mich dann nach Hause
geschickt. Zu Hause angekommen, hab ich mich erstmal im Internet schlau gemacht.
Ich hatte noch nie zuvor von der Krankheit gehört. Aber alles was ich
an Informationen bekommen konnte, war nicht gerade positiv und die Bilder
waren grausam. Ich musste mich entscheiden, ob ich den Kampf mit der Krankheit
aufnehmen will und kann oder nicht. Als ich den kleinen Kerl dann angeschaut
hab´, stand die Entscheidung fest. Solange er kämpft, habe ich
nicht das Recht aufzugeben. In den folgenden Tagen ging es ihm dann immer
schlechter. Beide Augen schwollen fast zu, die Nase war total verkrustet und
ebenfalls angeschwollen. Ich bin dann wieder zu der Tierärztin hin. Irgendwas
musste man doch machen können. Doch sie meinte nur, dass sie nicht glaubt,
dass er die nächste Woche überleben wird. Sie könne da nichts
machen, Medikamente würden ihn bei seinem geringen Gewicht (er wog zu
dem Zeitpunkt 370 Gramm) nur noch mehr schaden, beenden darf sie sein Leiden
zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht, da er noch allein fraß und auch
noch aktiv war. Also schickte sie mich mit ihm - zum Sterben - nach Hause.
Zu Hause angekommen, habe ich den halben Tag im Internet verbracht um alle Möglichkeiten zu finden wie ich Snoopy helfen könnte. Es gab nur wenig positive Berichte über die Krankheit. Wichtig war, dass Snoopy weiter fraß und trank. Außerdem habe ich gelesen, dass die Viren keine Wärme vertragen. Also habe ich mein Wohnzimmer als Krankenstation umfungiert und auf 25 Grad hoch geheizt sowie eine Rotlichtlampe besorgt. Den weiteren Verlauf der Krankheit konnte ich im Internet nachlesen, daher war mir ein wenig bewusst, was die nächsten Tage kommen würde. Seine Nase würde komplett zuschwellen, am ganzen Körper können sich Ödeme bilden, die meisten bekommen eine Lungenentzündung. Der Tod tritt meist nach 14 Tagen ein. Bedingt durch die Futterverweigerung der Tiere, ersticken aufgrund der Nasenschwellung oder durch Lungenentzündung.
7ter Tag: Snoopys Nase war komplett zugekrustet und sehen konnte er aufgrund der schlimmen Augenschwellung auch kaum noch. Aber er fing allein an durch den Mund zu atmen. Außerdem fraß er weiter von allein. (Er bekam natürlich nur die leckersten Sachen. Einen Päppelbrei und Löwenzahn). Trotzdem nahm ihm die Krankheit so viel Kraft, dass er weiter an Gewicht verlor. Dabei zählte jedes Gramm. Mittlerweile wog er nur noch 360 Gramm. Ich fing an ihn von nun an jeden Tag zu wiegen um das Gewicht im Auge zu behalten.
8ter Tag: Snoopy frisst weiter von ganz allein, er schläft viel, geht allein unter die Rotlichtlampe. Um seine Atmung zu unterstützen, hab ich eine Teelichtlampe mit Echinaceaöl aufgebaut. Ich hab angefangen mich im Internet über Kräuter zu informieren.
9ter Tag: Ödeme haben sich überall gebildet. An Ohren, Nase und einem Hinterlauf. Er hat weiter an Gewicht verloren. Bin Tag und Nacht bei ihm. Kuschel ihn an mich, damit er weiß, dass jemand da ist und er durch meine Körperwärme schön warm bleibt. Mit meinen Nerven bin ich mittlerweile am Ende. Ich habe mich bei einem Tierforum angemeldet. Das tägliche Schreiben dort hilft mir sehr. Und es sind unheimlich viele User da, die mir seelische Unterstützung geben ohne mich zu kennen. Jeden Tag fragen sie nach Snoopy.
10ter Tag: Als ich nach zwei Stunden Schlaf aufgewacht bin, blieb mir fast Herz stehen. Der kleine lag so komisch in einer Ecke. Auf dem Rücken und die Beinchen nach oben. Seine Schnute offen. Ich hab nur die Luft angehalten und versucht zu lauschen, ob ich ihn atmen höre. Habe mich nicht getraut ihn zu berühren. Als nichts passierte, war alle Hoffnung dahin. Ich hab geweint wie ein Schlosshund, denn ich dachte, wir hätten den Kampf verloren. Doch dann hab ich gemerkt, dass jemand meine Hand ableckte. Snoopy war zwar sehr schwach, aber er hatte zum Glück nur geschlafen. Da war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich dachte, ich könne nicht mehr. Und was macht der kleine Kerl?! Leckt mir über die tränennasse Wange und geht zu seinem Futternapf. Da war ich so gerührt. Der Kleine hatte viel mehr Kraft als ich.
11ter Tag: Er hat 7 Gramm zugenommen. Ich hab mich wahnsinnig gefreut. Er ist weiterhin sehr schwach, aber er frisst allein und geht sogar auf die hingestellte Katzentoilette.
12ter Tag: Die 7 Gramm sind wieder runter und mit ihnen noch 10 weitere. Er scheint eine Lungenentzündung bekommen zu haben. Ich hab beschlossen einen anderen Tierarzt aufzusuchen. Der staunt nicht schlecht, dass Snoopy noch lebt, alleine frisst und auch halbwegs aktiv ist. Er gibt ihm sogar eine 50%tige Überlebenschance. Obwohl das Risiko sehr hoch ist, dass die Nebenwirkungen von Antibiotika ihm schaden, probieren wir es. Von nun an muss ich ihm jeden Tag Antibiotika geben. Weiterhin bekommt er eine Aufbauspritze.
13ter Tag: Ich habe weiter recherchiert. Das Thema: Lungenentzündung. Aus der Apotheke habe ich mir einen Inhalator mit entsprechender Kochsalzlösung ausgeliehen. In meiner Wohnung sieht es aus wie im Krankenhaus. Alle 2 Stunden hab ich Snoopy vor den Inhalator gesetzt, er mochte es gar nicht, aber es half.
14ter Tag: Atmung wird immer besser. Ansonsten keine Veränderung. Trotzdem ein kleiner Funke Hoffnung. Denn es ist der 14te Tag und er lebt.
15ter Tag: Gleich der erste Schrecken am Morgen. Auf seinem Fell ist Blut. Ein paar der Ödeme sind aufgeplatzt. Er hat sich ein Stück vom Ohr abgebissen. Das war ein schrecklicher Anblick. Denn kleine Stücke lagen auch im Käfig. Aber die positive Nachricht. 12 Gramm mehr auf der Waage.
16ter Tag: Weitere Ödeme sind aufgegangen. Er hat große Schorfstellen an den Ohren, und an der Nase. Ein Ödem am Auge sieht nicht gut aus und er humpelt ein wenig. Also ab zum Tierarzt. Das Humpeln kommt von einem offenen Ödem an seiner Ferse. Ein wenig Salbe und gut. Beim Auge ist Eiter aus dem Ödem ´reingelaufen. Es musste gereinigt werden. Weitere Gewichtszunahme.
17ter Tag: Oh je, die Schorfstellen vom Ohr sind ab. Nun ist da ein riesiges Loch. Kein schöner Anblick. Außerdem ist die Nase offen, ein Stück davon abgefallen. Sofort los zum Tierarzt. Im Wartezimmer dann noch ein Schreck. Da liegt ein großes Stück Fell in der Tasche, Snoopy sitzt aber auf meinem Schoß. Beim genaueren Betrachten wird mir klar, was es ist. Sein Puschelschwänzchen ist abgefallen. Der Tierarzt untersucht ihn gründlich. Gibt dann Entwarnung. Er kann auch ohne leben. Das Loch im Ohr ist zwar nicht schön, aber auch das beeinflusst ihn nicht. Nur die Nase muss versorgt werden. Die Wunde ist so groß, dass sie wohl nie richtig abheilen wird. Die komplette Hautstruktur ist weg, man kann den Knochen sehen und außerdem ist auch dort ein Loch entstanden, sodass man durch seine Nase den Tisch sehen kann. Ein grausiger Anblick und als der Tierarzt mit der Nasenversorgung fertig ist, sieht sie nicht unbedingt besser aus. Ich brauche eine ganze Weile um mich an den Anblick zu gewöhnen und jedes Mal, wenn er ankommt und mich anstubst, krieg ich einen Schreck. Der Tierarzt gibt ihm noch eine weitere Aufbauspritze.
18ter Tag: Gleich nach dem Aufstehen schau ich nach Snoopy, aber er kommt nicht angeflitzt wie sonst auch. Er versucht es zwar, fällt aber immer wieder um. Ich weiß gar nicht, was los ist, aber es ist deutlich zu sehen, dass seine Hinterläufe gelähmt sind. Also gleich wieder los zum Tierarzt. Der weiß auch keinen Rat. Seine Vermutung ist aber niederschmetternd. Wahrscheinlich haben sich die Viren der Myxomatose in seinen Knochen, Gelenken und Nerven eingelagert und zerstören alles. Nun gibt auch er die Hoffung auf. Er glaubt nicht mehr das Snoopy das Wochenende überstehen wird und stellt mich vor die Entscheidung alles zu beenden. Aber Snoopy und ich geben nicht auf.
Zuhause angekommen durchstöbere ich wieder das Internet. Es muss doch irgendetwas geben, was man machen kann. Da bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem ähnliche Fälle berichtet wurden. Hunden mit Lähmungserscheinungen konnte geholfen werden. Mit einer Art Muskel- und Nervenstimmulierungsmethode, die Tellington Touch genannt wird (nähere Infos unter google oder ihr schickt mir einfach eine Mail). Da es in dem Artikel ganz gut erklärt wurde und man nichts falsch machen konnte, hab ich mir Snoopy geschnappt und das Ganze ausprobiert. Zu verlieren hatten wir ja nichts. Zwei Tage später waren die ersten kleinen Erfolge zu sehen. Er wurde wieder munterer und hat zumindest versucht durch die Wohnung zu flitzen. Auch wenn er dabei ziemlich oft umgefallen ist, gab es mir doch Hoffnung.
Eine Woche
später konnte er wieder laufen. Noch ein wenig wackelig, aber es ging.
Der Tierarzt begrüßte mich mit den Worten: "Ich hätte
nicht gedacht, dass ich sie wieder sehe." Er war auch sehr erstaunt über
Snoopys Zustand.
Seit dem Tag ging es stetig bergauf und der Tierarzt zählte Snoopy als
geheilt.
Mit 9 Monaten konnte Snoopy dann sogar kastriert werden, denn er sollte ja
nicht für immer allein bleiben.
Snoopys Wunden sind bis auf die Nase alle super verheilt und hören tut
er auch mit durchlöcherten Öhrchen gut. ;O)
Die Nase ist auch jetzt, eineinhalb Jahre später noch nicht verheilt.
Da der Tierarzt mit seinem Latein am Ende ist, probiere ich seit kurzem eine
Ringelblumentinktur aus. Ringelblume soll bei sehr schlecht heilenden Wunden
helfen. Aber das braucht noch Zeit.
Mittlerweile lebt Snoopy auch nicht mehr allein. Er hat einen Kumpel namens Charly. In dem Männerduo ist er sogar der Boss. ;O) Und seit ein paar Tagen haben die zwei noch ein kleines Mädel namens Leonie dazubekommen. Alle sind total süß zueinander, doch am allerliebsten kuschelt Snoopy mit mir und das lässt alle Arbeit und Sorgen vergessen und macht mich auch ein wenig stolz.
Snoopy
ist am 03.08.2011 leider an den Folgen seinen Erkrankung verstorben.
Er hatte aber fast 4 glückliche Jahre bei uns.
Wir denken immer an dich.